Wer ist bei Ihnen eigentlich für KI zuständig?
In vielen Unternehmen ist KI gleichzeitig Thema von IT, Marketing, Datenschutz und Geschäftsführung – und damit von niemandem. Warum jede Anwendung einen Namen braucht.
Fragen Sie in einer Geschäftsführungsrunde, wer im Haus für KI zuständig ist, bekommen Sie selten eine kurze Antwort. Die IT kümmert sich um Lizenzen. Das Marketing probiert Textwerkzeuge aus. Der Datenschutz hat Bedenken angemeldet. Und irgendwo gibt es eine Kollegin, die sich privat sehr gut auskennt und deshalb ständig gefragt wird.
Alle sind ein bisschen zuständig. Und genau deshalb ist es niemand.
Zuständigkeit ist nicht dasselbe wie Interesse
In der frühen Phase ist das kein Problem. Ausprobieren braucht keine Organigramme. Schwierig wird es in dem Moment, in dem aus einem Versuch etwas werden soll, auf das sich andere verlassen. Dann tauchen Fragen auf, die niemand allein beantworten kann: Welche Daten dürfen hinein? Wer prüft die Ergebnisse? Wer entscheidet, ob die Anwendung bleibt, wenn sie nicht so gut funktioniert wie erhofft?
Wenn diese Fragen keinen festen Ort haben, wandern sie von Meeting zu Meeting. Projekte bleiben dann nicht stehen, weil jemand dagegen ist, sondern weil niemand den nächsten Schritt verantwortet.
Drei Rollen, die es braucht
Aus meiner Erfahrung reichen drei klar besetzte Rollen, um aus dem Durcheinander eine Arbeitsweise zu machen:
Eine Person für den Rahmen. Sie legt fest, welche Werkzeuge erlaubt sind, welche Daten wohin dürfen und wie neue Ideen geprüft werden. Das muss keine eigene Stelle sein, aber es muss jemand mit genug Gewicht in der Organisation sein, damit die Regeln gelten.
Eine verantwortliche Person pro Anwendung. Nicht aus der IT, sondern aus dem Fachbereich, der die Anwendung nutzt. Sie weiß, wann ein Ergebnis gut genug ist, und sie bemerkt als Erste, wenn etwas schiefläuft.
Die Geschäftsführung als letzte Instanz. Sie entscheidet über Prioritäten, Budget und die Frage, wie viel Risiko das Unternehmen tragen will. Diese Entscheidung lässt sich nicht delegieren.
Ein Name statt einer Abteilung
Die einfachste Übung, die ich kenne: Schreiben Sie jede KI-Anwendung auf, die bei Ihnen läuft oder geplant ist. Und schreiben Sie dahinter einen Namen. Keine Abteilung, keinen Bereich, sondern einen Menschen.
Wo kein Name steht, ist die Anwendung entweder noch ein Experiment – oder ein Risiko, von dem noch niemand weiß. Beides ist in Ordnung, solange man es weiß.
KI wird in den nächsten Jahren in fast jeden Arbeitsbereich wandern. Umso wichtiger ist, dass nicht jede Abteilung ihre eigenen Regeln erfindet. Zuständigkeit klingt nach Verwaltung. In Wahrheit ist sie die Voraussetzung dafür, dass aus guten Ideen etwas wird, das bleibt.