Gedanken

Wo landen eigentlich Ihre Daten?

Der bequemste Weg zur KI ist nicht automatisch der sicherste. Warum die Frage, wo KI im Unternehmen läuft, eine Führungsentscheidung ist und keine reine Technikfrage.

Wenn Mitarbeitende heute mit KI arbeiten, landen dabei oft mehr Daten in fremden Systemen, als der Geschäftsführung bewusst ist. Ein Angebotsentwurf hier, eine Kundenmail dort, eine Tabelle mit Umsatzzahlen „nur zum Zusammenfassen“. Jeder einzelne Schritt wirkt harmlos. In der Summe entsteht eine Frage, die sich jedes Unternehmen stellen sollte: Wo werden unsere Daten eigentlich verarbeitet?

Vier Orte, an denen KI laufen kann

Vereinfacht gibt es vier Möglichkeiten:

Direkt beim KI-Anbieter. Über die Website oder die Schnittstelle eines großen Modellanbieters. Sehr leistungsfähig, schnell verfügbar – aber die Daten verlassen das Unternehmen und meist auch Europa.

In der großen Cloud mit europäischem Rechenzentrum. Die bekannten Modelle laufen hier in Rechenzentren in Europa. Das klingt sicher und ist es in vielen Fällen auch. Zu bedenken ist: Die großen Anbieter unterliegen amerikanischem Recht, das Behörden unter bestimmten Bedingungen Zugriff auf Daten ermöglicht, auch wenn sie in Europa liegen.

Bei einem europäischen Cloud-Anbieter. Hier gilt europäisches Recht. Dafür stehen nicht immer die neuesten Modelle zur Verfügung, und manches braucht mehr Aufwand.

Auf eigenen Servern. Die Daten verlassen das Haus nie. Das ist der sicherste Weg, aber auch der aufwendigste in Aufbau und Betrieb.

Es gibt nicht die eine richtige Antwort

Für alle vier Wege gilt derselbe Zielkonflikt: Je bequemer und leistungsfähiger, desto weniger Kontrolle – und umgekehrt. Die gute Nachricht: Ein Unternehmen muss sich nicht für einen einzigen Weg entscheiden. Öffentliche Informationen können problemlos in der großen Cloud verarbeitet werden, sensible Kundendaten vielleicht nur bei einem europäischen Anbieter, Konstruktionsdaten nur im eigenen Haus.

Wichtig ist, dass diese Entscheidung bewusst getroffen wird – pro Anwendung und nach Schutzbedarf. Und dass alle Anwendungen auf einer gemeinsamen Grundlage laufen. Sonst hat in zwei Jahren jede Abteilung ihre eigene Lösung, und das Aufräumen wird teuer.

Warum das Chefsache ist

Die IT macht in dieser Lage meist nichts falsch: Sie greift zu dem, was im vorhandenen Softwarepaket schon enthalten ist. Doch welche Daten wo verarbeitet werden dürfen, ist keine technische Detailfrage. Es geht um Vertrauen von Kund:innen, um rechtliche Pflichten und um die Frage, wie abhängig sich ein Unternehmen von einzelnen Anbietern macht.

Und wo es keine klare, sichere Lösung gibt, suchen sich Mitarbeitende selbst eine – mit dem privaten Zugang auf dem eigenen Laptop. Eine klare Regel und ein gutes Angebot im Unternehmen sind deshalb der beste Datenschutz.

Ich freue mich auf den Austausch.

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