Gedanken

Ich habe diesen Hype schon einmal erlebt

Damals wollte jedes Unternehmen eine Website, heute will jedes Unternehmen KI. Was die erste Internetwelle darüber verrät, wer am Ende wirklich profitiert.

Angefangen habe ich in der ersten Internetwelle in Berlin. Damals wollte jedes Unternehmen eine Website, und Agenturen schossen aus dem Boden. Heute erlebe ich dasselbe Muster wieder: Jedes Unternehmen will KI, und neue Anbieter gibt es an jeder Ecke. Die Technologie ist eine andere, die Dynamik ist erstaunlich ähnlich.

Die digitale Visitenkarte

Viele Unternehmen bekamen damals eine Website, die mit ihrem eigentlichen Geschäft wenig zu tun hatte. Ein paar Seiten über das Unternehmen, ein Kontaktformular, ein Foto vom Firmengebäude. Man war „drin“, wie es damals hieß. Verändert hat sich dadurch wenig. Die Angebote entstanden weiter auf Papier, die Bestellungen kamen per Fax, und die Website wurde einmal im Jahr aktualisiert, wenn überhaupt.

Mit KI passiert gerade dasselbe. Es gibt Piloten, Demos und Lizenzen für alle. Die Präsentation im Führungskreis beeindruckt. Aber im Alltag läuft kaum etwas davon, und die Abläufe sind dieselben wie vorher.

Gewonnen haben die, die ihre Abläufe verändert haben

Die Unternehmen, die vom Internet wirklich profitiert haben, hatten selten die schönste Website. Sie haben das Netz in ihre Prozesse geholt: Bestellungen, Service, Vertrieb, Zusammenarbeit mit Partnern. Das war mühsam, unspektakulär und dauerte Jahre. Aber genau dort ist der Wert entstanden.

Bei KI wird es nicht anders sein. Der Unterschied liegt nicht darin, wer zuerst ein Werkzeug kauft, sondern wer zuerst einen Ablauf verändert – und zwar so, dass er im Alltag funktioniert.

Drei Lehren für heute

Nicht beim Werkzeug anfangen. Die erste Frage lautet nicht „Was kann KI?“, sondern „Wo verlieren wir heute Zeit, Geld oder Kunden?“. Daraus ergibt sich, wo KI hingehört.

Klein anfangen, aber wirklich. Ein einziger Anwendungsfall, der im Betrieb läuft, ist mehr wert als zehn Piloten. Er zeigt, was es braucht: Daten, Anbindung an bestehende Systeme, klare Zuständigkeiten.

Die Menschen mitnehmen. Damals scheiterten viele digitale Projekte nicht an der Technik, sondern daran, dass niemand mit ihnen arbeiten wollte. Das ist heute nicht anders.

Neu ist nur die Technologie

Neue Technologie in den Alltag von Organisationen zu bringen, ist keine neue Aufgabe. Wer die erste Internetwelle erlebt hat, kennt die Versuchung, beim Glanz der Oberfläche stehen zu bleiben. Und er weiß, dass sich der Aufwand erst dahinter lohnt – dort, wo sich Arbeit tatsächlich verändert.

Ich freue mich auf den Austausch.

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